Mit der Volljährigkeit entscheidet sich Marie Steinsiek, ihr Leben radikal zu ändern. Aus dem evangelischen Mädchen wird eine streng gläubige Muslima. Eine Grenzerfahrung nicht nur für sie – vor allem auch für ihre Eltern.

Ein ganz normaler Teenager

Marie mit 13 Jahren

Zuerst war sie nur ein Mädchen, das nicht gerne in die Kirche ging. Marie Steinsiek, heute 20 Jahre alt, aufgewachsen in einem Einfamilienhaus in Neubrandenburg. Sie engagierte sich bei den Pfadfindern, spielte leidenschaftlich Klavier. „Ich war ein ganz normaler Teenager“, sagt sie. Doch irgendetwas fehlte dem Mädchen, bis es 18 war. Dann begann Marie, sich näher mit dem Islam zu beschäftigen, weil sie muslimische Freunde hatte. „Ich habe beide Glaubensrichtungen verglichen. Es gab Dinge, die mich am Christentum zweifeln ließen“, erzählt Steinsiek. Und gleichzeitig fand sie immer mehr Halt im Islam. Dann traf sie eine weitreichende Entscheidung: "Ich konvertierte!"

Neuer Glaube

„Die Zeit nach dem Tod spielt für mich die größere Rolle“

Fünf Mal am Tag

Beten gehört zu ihrem Alltag

In Richtung Mekka

In der Moschee in der Flughafenstraße findet Marie ihre Ruhe

Aus dem Mädchen ist inzwischen eine gläubige Frau geworden. Auch bei 35 Grad im Schatten ist sie heute komplett schwarz gekleidet. Erst das Kopftuch, dann der Chimar – der Begriff leitet sich von „chammara“ ab, also „bedecken", und ist verwandt mit dem Wort „Chamr“ - Alkohol. Der Alkohol „bedeckt“ nämlich nach islamischer Haltung den Verstand, er vernebelt ihn. Im Islam ist Alkohol tabu. Marie Steinsiek zieht nicht mehr mit ihren nicht-muslimischen Freundinnen um die Häuser. Statt dessen lädt sie Gleichgesinnte zu sich nach Hause ein.

„Ich finde das jetzt auch viel schöner, weil man unter sich ist“, sagt sie. Viele alte Freunde haben sich von ihr abgewendet. „Einer hat sich im Nachhinein bei mir entschuldigt, weil er mich Taliban genannt hat“ - die Vorurteile sind verbreitet. Schätzungen zufolge konvertieren 4000 Deutsche im Jahr - genaue Zahlen gibt es nicht.

Als Maries Eltern Mirjam und Michael Steinsiek von der Konversion ihrer Tochter erfuhren, schossen ihnen Horrorgedanken durch den Kopf: Wird sich Marie ihrem Mann und einem strengen Regelwerk unterwerfen? Werden sie ihre Tochter für immer verlieren? Besonders schlimm war es, als sie Marie das erste Mal mit einem Kopftuch gesehen haben:

Wenn die Tochter ihren eigenen Kopf durchsetzt

Beim Abiball trägt Marie ihren Glauben das erste Mal nach außen

In einem Blog für Muslime und die, die es werden wollen, lernt Marie Steinsiek ihren heutigen Mann Khalid Shaltout kennen. Sie schreiben sich, treffen sich einige Wochen später. „Ich habe es gemocht, wenn er mit mir gesprochen hat“, erzählt sie. Und Khalid: „Ich glaube, wir haben uns gefunden, weil es Fügung war.“ Der 19-Jährige glaubt fest daran, dass alle Entscheidungskraft bei Allah liegt.

Eine Einstellung, mit der Maries Eltern nicht viel anfangen können. Es sind so viele Dinge, an die sie sich gewöhnen müssen. Und es geschehen Dinge, mit denen sie nicht gerechnet hätten:

Die Angst vor dem Ungewissen

Marie heiratet - ohne den Willen ihrer Eltern

Die islamische Hochzeit

Maries Eltern waren nicht erwünscht

Das nach islamischem Recht verheiratete Paar zieht im August 2013 zusammen. Die standesamtliche Trauung soll bald folgen. Shaltout macht eine Ausbildung zum IT-Techniker. Für seine Familie ist Marie ein fester Bestandteil geworden. Sie studiert Islamwissenschaften. Ihren Kindheitstraum, Lehrerin zu werden, hat sie aufgegeben. Zu viele Probleme gäbe es mit dem Chimar, an einer deutschen Schule zu arbeiten, sagt sie. Stattdessen wolle sie „im sozialen Bereich tätig werden“.

Zwei Jahre sind seit der Konversion vergangen. Marie ist glücklich. Und ihre Eltern versuchen es zu sein - immerhin:

Es muss weitergehen

Auch wenn es ihnen schwerfällt - Mirjam und Michael Steinsiek wollen ihre Tochter nicht verlieren

Die Familie vereint

Sie wollen zusammenhalten - komme, was wolle

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