In der Tiefe wartet das Grauen – da ist sich 1weiter.net-Reporterin Carolin Grob sicher. Im Selbstversuch will sie ihre Angst vor trübem Wasser überwinden. Eine persönliche Grenzerfahrung.

Ich habe panische Angst vor tiefem Wasser – nicht das Wasser an sich ist das Problem, sondern das ungute Gefühl, dass da etwas Gefährliches im Trüben unter mir sein könnte, was ich nicht sehen kann. Ins Schwimmbad gehe ich sogar richtig gerne: Schwimmen, Tauchen, Turmspringen – alles kein Problem. Doch wage ich mich in einen See oder das Meer, beschleicht mich Panik: Mein Puls rast, ich atme schnell, zittere, mein Hals schnürt sich zu. Berühren mich Pflanzen oder Fische, ist es ganz aus. Ich rudere mit den Armen, strample unkoordiniert mit den Beinen – bis ich endlich wieder am Ufer bin. Meine Furcht ist eigentlich unbegründet – das weiß ich natürlich. Aber das hilft mir nicht, ich kann sie nicht beeinflussen.

Für 1weiter.net will ich mich meiner Angst stellen und meine Grenze überwinden. Da mein Versuch schon nach drei Minuten vorbei wäre, wenn ich ihn alleine machen würde, habe ich mir Unterstützung gesucht: Ein Team aus drei erfahrenen Rettungsschwimmern und Einsatztauchern vom DLRG Berlin-Reinickendorf begleitet mich in den Tegeler See. Normalerweise schulen sie Rettungstaucher für ungewohnte Situationen unter Wasser – sei es das Tauchen bei geringer Sicht oder die Suche nach Vermissten. Heute aber bekommen sie eine besonders schwierige Aufgabe: Sie sollen mir die Angst vor tiefem, trüben Wasser nehmen.

„Für die einen Ort der Entspannung,

für mich der Ort des Schreckens“

Ich bin erleichtert: der Selbstversuch soll ganz harmlos am Ufer beginnen. Harmlos? Dass ich mich gleich durch Wasserpflanzen kämpfen muss, weiß ich da nämlich noch nicht.

„Das Zeug ist so eklig!"

Und das war erst die Aufwärmübung

Nachdem ich den Ekel vor den glitschigen Wasserpflanzen überwunden habe, steht jetzt die nächste Hürde an: Schwimmen. Mitten im See. Bei 14 Grad kaltem Wasser. Das kann ja was werden.

Als Kind galt ich als "Wasserratte" – woher ich diesen für mich fraglichen Ruf hatte, weiß ich nicht: Schon im Grundschulalter bin ich nur ungern in Seen oder das Meer gegangen. Nach zwei bis drei Metern Tiefe war Schluss und ich musste zurück zum Ufer. Lieber habe ich stattdessen im flachen Wasser geplantscht, Burgen gebaut und meine Angst verdrängt.

Seit ich mit neun Jahren bei einem Kanu-Ausflug gekentert bin und orientierungslos unter Wasser trieb, ist aus meiner Abneigung eine Phobie geworden. Sobald ich mich ins Seewasser wage, beschleicht mich dieses immer stärker werdende Gefühl der Beklemmung und der Furcht vor dem nassen Unbekannten um mich herum. Irgendwann kippt es dann: aus Unbehagen wird Panik. Erstaunlicherweise hat mein Zwillingsbruder die gleiche Angst – für uns galt der Sprung in einen Stausee immer als größte Mutprobe. Aber soweit bin ich noch nicht.

In einen Stausee muss ich jetzt zwar nicht, aber tief genug ist es mitten im See schon, um mir gehörig Angst einzuflößen. Und es soll noch schlimmer kommen.

„Ich habe echt Respekt!“

Jetzt wird´s ernst

Zurück im Boot stelle ich erstaunt fest, dass ich es geschafft habe, meine Angst in den Griff zu bekommen. Ich bin tatsächlich geschwommen. Und sogar getaucht, ohne dass etwas Schlimmes passiert ist. Dabei habe ich das im Stillen noch immer befürchtet. Was im Nachhinein fast einfach erscheint, hat ganze fünf Stunden des guten Zuredens und langsamen Heranführens gedauert. Doch tatsächlich: Ich bin nicht ertrunken, kein Fisch ist mir zu nahe gekommen, keine Schlingpflanze hat mich in die Tiefe gezogen. Das lässt hoffen.

Apropos Schlingpflanzen: Ich dachte, ich wäre schon tapfer genug gewesen, doch es gibt noch eine Überraschung für mich:

"Hilfe, ich stecke fest!"

Jetzt muss ich zeigen, was ich gelernt habe

Überglücklich geht es jetzt für mich zurück an Land. Diesmal ohne Hektik, ohne übertriebene Panik, sondern ganz entspannt. Mit dem Wissen, dass ich meine Wasserphobie in den Griff bekommen kann, wenn ich nur will.

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