Auch Politker sind nur Menschen. Und deshalb wird oft geschrien, sehr oft gelogen, manchmal auch geschlagen und nachgetreten. Wir haben ein Best-of von Politikern zusammengesammelt, die übers Ziel hinausgeschossen sind.

1. Pöbelnder Bürgermeister im Drogensumpf

Rob Ford, Bürgermeister der größten kanadischen Stadt Toronto, fällt auf. Er schreit nicht nur bei Senatssitzungen ungehalten, auch abseits der politischen Bühne ist Ford ein Draufgänger. Zuletzt musste er öffentlich zugeben, Crack geraucht zu haben. Vorausgegangen war dem Geständnis ein monatelanger Eklat um ein Videotape. Auf dem war der Politiker mit Unterweltgrößen beim Crack-Konsum zu sehen. Angeblich sei ihm dieser Fauxpas jedoch nur passiert, weil er sich zuvor vollkommen besoffen hatte. Inzwischen wurde der Choleriker weitreichend seiner Rechte entzogen. Bürgermeister bleibt er zwar, mehrere Entscheidungsrechte wurden ihm aber entzogen. Das Video tauchte im Sommer 2013 auf. Seitdem zieht sich die Farce weltweit durch die Medien. Kanadische Politiker fordern seit Monaten seinen Rücktritt, Ford bezeichnete währenddessen den Entzug seiner Rechte als modernen Staatsstreich und ist bis heute im Amt.

Rob Fords geilste Ausraster

Für euch im Highlight-Video

2. Schreien und wegnehmen – Südkoreas Parlament

Das Wort kann ein scharfes Schwert sein. Wenn Politikern aber die Rhetorik verloren geht, wird es richtig hässlich. Denn sie kämpfen meistens unbeholfen, sofern sie nicht den Nachnamen "Klitschko“ tragen. Südkoreas Parlament ist die Arena der schönsten Parlaments-Rangeleien. Zu den besten gehört diese: Im Sommer 2010 wollte die regierende Große Nationalpartei (GNP) ein Mediengesetz beschließen. Die Abgeordneten der Opposition hatten etwas dagegen. Und wenn Worte nicht mehr helfen, ist der Ledersessel des Parlamentspräsidenten in Südkorea heiß begehrt. Wer auf ihm sitzt, darf entscheiden. Den Stuhl hatten Politiker der GNP auch schon besetzt, weil sie das Gesetz schnell durchbringen wollten. Die erzürnte Opposition stapelte daraufhin Tische und Stühle aufeinander, um ihren Gegnern den Weg zur Haupthalle zu versperren. Dann ging es los: Fiese Schubser, halbherzige Schläge und Griffe an Hälse. Inmitten der Schlacht wurde das Mediengesetz schließlich akzeptiert.

Wo man mit Argumenten nicht mehr weiterkommt, da hilft Gewalt.

Nicht

3. Londons Mann für Grenzerfahrungen

Eigentlich müssten alle Einwohner Londons einen Orden verliehen bekommen. Denn ihr Bürgermeister kann eine Zumutung sein. Boris Johnson (Tories) bringt sich gern in unschöne Situationen und meistens hält dann auch noch eine Kamera drauf. Während der Olympischen Spiele 2012 ließ Johnson sich mit Helm und zwei Union-Jack-Fähnchen eine Seilbahn im Victoria Park hinunterschubsen. Das entrückte Maskottchen blieb auf halber Strecke stecken und baumelte wie Christbaumschmuck am Drahtseil. Johnson nahm es mit Humor, unterhielt sich mit den unten stehenden Zuschauern und fragte nach einem Abschleppseil.

Johnson wollte ein Olympia-Maskottchen sein

Jetzt ist er Christbaumschmuck

Auch für Journalisten kann Bo-Jo eine professionelle Grenzerfahrung bedeuten. Mal klingelt sein Handy bei Live-Interviews, einmal schloss er sich vor laufender Kamera sogar selbst aus seiner Wohnung aus. Als Johnson sich 2008 als Bürgermeister von London bewarb, wurde es seinem Wahlkampfmanager zu bunt. Er ließ ihn nicht mehr als nötig im TV auftreten, schickte Johnson dafür lieber zu Radiointerviews.

Auch Fußballer wie Altstar Maurizio Gaudino

bringt Boris Johnson an die Grenze

4. Der Bunga-Bunga-Experte

Natürlich dürfen Silvio Berlusconis Bunga-Bunga-Abenteuer in unserer Liste nicht fehlen. Seit 2011 muss sich der heute 77-jährige ehemalige italienische Premierminister vor Gericht einem außergewöhnlichen Sexskandal stellen. Unter anderem wurde ihm bezahlter Sex mit einer Minderjährigen, der in den Medien unter dem Namen Ruby bekannt gewordenen Stripperin, vorgeworfen. Ein Vorwurf, von dem er mittlerweile überraschend in zweiter Instanz freigesprochen worden ist. Im Netz tauchten zuvor während der polizeilichen Ermittlungen Bilder von Sex-Orgien, auf die das wilde Nachtleben Berlusconis unverhüllt zeigen. Der Bunga-Bunga Skandal war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und die genügsamen Italiener gegen ihren Lieblingspolitiker auf die Straßen trieb. Bisher hatten sie ihrem „Il Cavaliere“ (Ritter) noch jeden „Ausrutscher“ verziehen. Der italienische Politiker ist für seinen laxen Umgang mit dem Gesetz bekannt geworden. Von mehreren nachgewiesenen Straftaten – von Steuerhinterziehung über Bestechung bis hin zu Drogenschmuggel – musste Berlusconi bisher nur für eine Straftat haften. Seit dem 20. Juni 2014 werden die Verhandlungen fortgeführt.

Berlusconi verschließt die Augen

Ob er ein für ihn negatives Urteil erwartet hatte?

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